06.09.2018 | Region

„Die Region als Einheit begreifen“

Almut Weber
Autor:
  • Almut Weber
  • Projektmanager PERFORM
In dieser Interview-Serie berichten wichtige Persönlichkeiten von ihrem Engagement für die Region. Dieses Mal zeigt Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt am Main, wie das funktionieren kann.

Am 17. April 2015 waren sich Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik einig: die Städte in der Region FrankfurtRheinMain stehen vor großen Herausforderungen, die nur gemeinsam gelöst werden können – und dazu braucht es eine gemeinsame Initiative. Daraus entstanden ist „Perform – Zukunftsregion FrankfurtRheinMain“. Um zentrale Themen wie Wohnraumnachfrage, Mobilität oder Verkehr anzugehen, sind Entscheidungen notwendig, die nicht allein von einzelnen Städten getroffen werden können, sondern nur im Verbund mit benachbarten Regionen. Das ist nicht trivial, müssen doch strukturübergreifende Entscheidungen wie infrastrukturelle Vernetzungen über Landesgrenzen hinweg erfochten werden. Das bedeutet unterschiedliche Finanztöpfe, unterschiedliche Parteiensysteme und Wahlperioden. Das Gute: Es hat sich schon einiges getan auf dem Weg hin zu einer starken Metropolregion FrankfurtRheinMain, wie Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt am Main erläutert.

Herr Müller, Sie sind seit vielen Jahren im Einsatz für die Metropolregion. Warum ist es wichtig, die Region weiterzuentwickeln?

Immer mehr Menschen leben in Städten, auch in FrankfurtRheinMain. Dass stellt uns vor großer Herausforderungen, deren Lösung intelligente, innovative Konzepte für Mobilität und Wohnen brauchen und eine handlungsfähige Metropolregion. Sie ist Voraussetzung, um Wohlstand und Wirtschaftskraft in der Region zu erhalten und unsere Städte auch unter den Bedingungen von Urbanisierung und Globalisierung zukunftsfähig zu gestalten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Länder und Kommunen gemeinsam in den Schlüsselthemen der Region handeln. Sie dürfen sich dabei nicht in theoretischen Debatten verlieren oder einzelne Politfelder in den Mittelpunkt stellen, sondern müssen die Region als Einheit begreifen und in ihrer Gesamtheit im Blick haben.

Insellösungen sind leichter umzusetzen, als in strukturübergreifende Vorhaben zu investieren. Wie kann es trotzdem gelingen, Politiker von der Zusammenarbeit zu überzeugen?

Strukturübergreifende Projekte scheitern oft an der Diskussion um die gerechte Aufteilung zwischen Finanzierungsaufwand und Nutzen. Aber es hat sich gezeigt, wirtschaftliche Notwendigkeiten führen zu mehr Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Ein Beispiel: Die Städte Raunheim, Rüsselsheim und Kelsterbach haben sich im Rahmen des Projektes „Drei gewinnt“ unter anderem für eine interkommunale – also gemeinsame Gewerbeflächenentwicklung entschieden. Eine Stadt bietet die Fläche für die Ansiedelung, die andere verfügt über Wohnungen, die Gewerbesteuererträge werden aufgeteilt. Damit profitieren sie gegenseitig. Das macht Hoffnung auf mehr regionale Zusammenarbeit.

Auch die Wirtschaftskammern gehen mit gutem Beispiel voran und arbeiten über Grenzen hinweg zusammen. Wie bringen sie sich ein?

Wir haben mit Perform eine Plattform für Vernetzung und Zusammenarbeit geschaffen und gehen mit ihr auf die Bedarfe der Menschen und Unternehmen in der Region ein. Sie müssen tagtäglich auf dem Weg zur Arbeit oder zum Kunden mit Staus und Verspätungen leben. Was oft daran liegt, dass zwischen den beteiligten Ländern, Städten, Gemeinden und Verkehrsverbünden eine Vielzahl von Mobilitätsschnittstellen bestehen, die nicht optimal gelöst sind. Deswegen braucht es einen integrativen Ansatz für die Mobilität in der Region, an dem sich die Planer vor Ort orientieren können. Diesen und andere Vorschlägen tragen wir an die Politik heran – zum Beispiel im Anfang des Jahres gegründeten Strategieforum FrankfurtRheinMain, das die die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg verbessern und geeignete Strategie für den Gesamtraum entwickeln will.