13.05.2019 | Stadtentwicklung, Region

„Wir müssen über kommunale Grenzen hinaus denken“

Almut Weber
Autor:
  • Almut Weber
  • Projektmanager PERFORM
© Stadt Frankfurt am Main

Perform: Vor welchen Herausforderungen steht die Stadtentwicklung in der Metropolregion FrankfurtRheinMain?

Mike Josef: Wir haben eine starke Wirtschaft, aber nur eine begrenzte Fläche. Frankfurt ist gemessen an der Bevölkerung die fünftgrößte Stadt in Deutschland, aber bezogen auf die Fläche liegen wir bundesweit auf Platz 44. Wollen wir auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sein, müssen wir Unternehmen die Möglichkeit geben, zu wachsen oder sich hier in der Region neu anzusiedeln. Dafür bedarf es Platz, zum einen für die Betriebe selbst und zum anderen für die Mitarbeiter. Wir benötigen Wohnungen, eine gute Infrastruktur und einen aufeinander abgestimmten öffentlichen Nahverkehr.

 

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Thema kommunale Kooperation?

Noch eine kleine, aber die Kooperation muss wachsen! Weder Frankfurt, noch die kleineren Orte in der Region können diese Herausforderungen alleine meistern. Eine Region wie das Rhein-Main-Gebiet kann es sich nicht erlauben, nur von Kommune zu Kommune zu denken. Wir müssen das gemeinschaftlich anpacken und über kommunale Grenzen hinausdenken.

 

Welche Vorteile haben die Kommunen denn von einer Zusammenarbeit?

Viele. Eine Kommune alleine kann oft kein großes Logistikzentrum stemmen, kann alleine die Verkehrserschließung nicht gewährleisten, nicht den Umweltausgleich, nicht das komplette Bildungsangebot und das Spektrum der benötigten Wohnungen.

 

Gibt es Beispiele, wo kommunale Kooperation bereits gut funktioniert hat?

Ja, etwa bei der Entwicklung der Offenbacher Hafeninsel gemeinsam mit der ABG Frankfurt Holding, unserer städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Ein weiteres Beispiel ist der Bau von 172 Wohnungen auf dem früheren MAN-Gelände an der Christian-Pleß-Straße in Offenbach, ebenfalls mit der ABG Frankfurt. Oder mit Maintal, dort entsteht ein gemeinsames Gewerbegebiet auf beiden Seiten der Gemarkung. Auch der Umbau des Kaiserlei-Kreisels ist ein Gemeinschaftsprojekt vom Land, der Stadt Offenbach und der Stadt Frankfurt.

 

Trotzdem scheint die interkommunale Zusammenarbeit nicht einfach zu sein. Woran liegt das?

Das hat immer noch viel mit Kirchturmdenken und Ängsten zu tun – vor der Übermacht der großen Städte und davor, eingemeindet zu werden, obwohl die Gebietsreform in den 70er Jahren stattfand. Und damit, dass viele Umlandgemeinden – und auch Frankfurt – lange ganz gut gefahren sind mit ihren Egoismen. Wir müssen diese Widerstände überwinden. Wenn die Region zukünftig wirtschaftlich erfolgreich sein möchte, führt kein Weg daran vorbei, dass wir in der Frage von Wohnungsbau, Bildung, Infrastruktur, ÖPNV, Mobilität und Ansiedlung von Arbeitsplätzen gemeinschaftlich zusammenarbeiten.


Mike Josef (36) ist seit Juli 2016 Stadtrat und Dezernent für Planen und Wohnen in Frankfurt. Zuvor war er seit 2011 als Stadtverordneter tätig. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete der Diplom-Politologe als Organisationssekretär beim DGB in Südosthessen.